Ich hab zwar üüüüberhaupt keine Zeit, war aber von der Organisation bei meiner Klausur heute doch so tief beeinruckt, dass ich doch gerne einmal kurz darüber berichten möchte.
In normalen Ländern wird das mit den Klausuren ja so gehandhabt: Man geht rechtzeitig von zu Hause los, damit man pünktlich in der Uni ist, setzt sich in seinen Hörsaal, schreibt seine Klausur und geht wieder heim.
Hier läuft das etwas anders.
Meine Klausur fing um halb drei an. Um allerspätestens ein Uhr mussten wir uns vor dem Quadrangle (Hauptgebäude der Uni) postieren um auf einen Bus zu warten, der uns dann zur Pferderennbahn gefahren hat (JA, ich habe eine Klausur im Gebäude der Pferderennbahn geschrieben.)
Für diesen Bus durfte man dann auch netterweise noch drei Euro blechen.
Dann kam man also am Racecourse an und kam in eine überdimensionale Eingangshalle, wo Hunderte von Studenten auf dem Boden saßen und langsam anfingen für ihre Klausuren zu lernen (war ja auch noch eine volle Stunde Zeit!!!!). Hatte einen wundervollen Flüchtlingsauffangslagerstations-Charme. In dieser UNGEHEIZTEN Vorhalle durften wir uns dann noch kuschelige 45 Minuten aufhalten, nachdem wir uns zu den Tafeln durchgequält hatten, auf denen wir unseren Raum und unsere Sitzplätze rausgefunden haben (Nein, man kann sich nicht einfach hinsetzen wo man will). Während dieser Dreiviertelstunde hat ca. alle zweienhalb Minuten eine wahnsinnig penetrante Frauenstimme über den Lautsprecher folgendes verkündet: „Bring your mobile phones to the mobile phone centre NOW!!!!!!“. Ja, auch das Handy wird einkassiert. Zum Glück wusste ich das vorher, sodass ich meins gar nicht mitgenommen habe. Außerdem sind dort mindestens fünfzehn wahnsinnig wichtige Menschen in neongelben Westen durch die Gegend gelaufen und haben eigentlich….äh….nichts gemacht. Anne und ich haben ja schon gemutmaßt, dass diese ganze Organisation einzig und allein als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dient (Busfahrer, ein Mensch im Bus der das Geld entgegen nimmt, eine Person die die Busfahrkarten austeilt, Mobile Phone Centre receptionists, Muffin-Verkäufer, Menschen in gelben Westen…) Irgendwann, so gegen 10 nach zwei wurden dann die Gates geöffnet. Bevor man allerdings in den entsprechenden Raum gehen durfte, musste man alles außer Portemonnaie, Getränk, Tempos und Stiften in die entsprechend markierten BEreiche in der Eingangshalle befördern. Das muss man sich jetzt so vorstellen, dass in der einen Ecke drei Bereiche mit Absperrband markiert waren (einer pro Raum), und jeder musste seine Tasche in den entsprechenden Bereich legen. Ich war im Millenium Stand, musste also meine Tasche vor dem Zettel auf dem der Name stand auf den Boden schmeißen – neben 70 andere Taschen.
In dem Raum musste man sich dann seinen Platz suchen und dann gings los. Mit Konzentration war aber nicht viel, weil ca. alle dreißig Sekunden einer der mindestens zehn Aufseher an dir vorbeigerauscht ist. Wahnsinn – 70 Leute, 10 Aufseher!! Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sag ich da nur… Dann gab es die äußerst interessante Regelung, dass man den Raum die erste Stunde nicht verlassen darf, dann eine halbe Stunde lang auf Toilette gehen oder abgeben kann und dann die nächste halbe Stunde wieder im Raum bleiben muss.
Ich kam natürlich auf die glorreiche Idee, innerhalb der Toiletten-Stunde ja wirklich mal auf Toilette gehen zu müssen. Aber das darf man ja nicht alleine – nein! Eine weibliche Aufsichtsperson folgt dir auf Schritt und Tritt und wartet vor der Toilettentür – aber nicht etwa ganz draußen, sondern vor der Kabine!!! Super entspannend, wenn vor der Tür jemand auf dich wartet und dir beim Pinkeln zuhört (sorry für die etwas graphischere Beschreibung hier). Und ja kein Wort sagen!!!! Naja, ich hab dann jedenfalls meine Klausur fertig geschrieben (die übrigens ganz gut war) und danach haben wir uns schleunigst Richtung Bus begeben (durch orkanartige Windböen und peitschenden Regen) und sind zum Glück auch gleich mit dem ersten zurück gekommen.
Soviel zu den Klausuren hier… es ist mir absolut unverständlich, wieso man nicht einfach in einem der 10000 Hörsäle auf dem Campus schreiben kann. Aber gut, so haben wir wenigstens mal was erlebt…
Ach herrje, mir fiel gerade auf, dass ich jetzt schon etwa anderthalb Monate nicht mehr geschrieben habe. Deshalb hier mal ein kleines Lebenszeichen. Mir geht es immernoch sehr gut und ich habe jetzt – Gott sei Dank – alle Essays abgegeben. Nächsten Mittwoch habe ich noch eine Klausur vor mir, aber der sehe ich eigentlich relativ entspannt entgegen…
Hier jetzt mal ein kleiner Überblick über das, was ich im letzten Monat so angestellt hab – in Stickpunkten
- 31.10. Halloweenparty. Erst waren wir in der College Bar, dann im Coyotes… und ich war eine Fledermaus
- 01. – 04.11. Wochenende zu Hause.
- 06.-09. 11. Lissabon mit Laura, Sandi und Clay!! Hatten ein sehr sehr schönes Wochenende in Portugal und haben neben der Stadt auch noch ein bisschen was vom Umland sehen können…
- 28.11. Thanksgiving Dinner! Ein toller und recht feucht-fröhlicher Abend mit einem weniger fröhlichen Folgetag
- 01.12. Galway Aids West Candlelight Concert – Ich habe mit Laura zusammen bei den Vorbereitungen geholfen (sind über den ALIVE!-Volunteering-Newsletter der Uni darauf gestoßen) und das Konzert (Chormusik) war wirklich super!! Werden auch in Zukunft bei Aids West aushelfen, wenn es etwas zu tun gibt…
- 05. – 09.12. BELFAST!!!
(Hierzu werd ich mal ein bisschen mehr schreiben.
)
Wir haben uns also am Freitag, nachdem endlich alle Essays abgegeben waren, trotz der etwas abschreckenden Busfahrt (über sechs Stunden und zweimal umsteigen) auf den Weg nach Belfast gemacht. Kamen gegen Abend an und nachdem wir unser Hostel bezogen hatten (das zwar kein Luxushotel, aber dafür sehr zentral war) sind wir gleich Richtung Stadtzentrum aufgebrochen. Ich muss ja sagen, was Weihnachtsbeleuchtung angeht, sind die Iren ja völlig schmerzbefreit. Alles ist blau und grün und rot und blinkt. Aber gut. Wir haben ja mittlerweile gemerkt, dass den Iren noch niemand verraten hat, dass weniger auch manchmal mehr ist. Ist ja auch eine Insel, da kommen solche Neuigkeiten halt auch nicht so schnell an… Naja, wie auch immer. An der City Hall haben wir dann – wirklich wahr – einen echten Weihnachtsmarkt gefunden!! Mit allem was dazu gehört – Bratwurst vom Schwenkgrill, Glühwein, Raclette-Käse, warmer Cider, Crepes, die leckersten Kokosmakronen der Welt….alles! Das haben wir dann auch quasi jeden Abend ausgenutzt und haben gegessen wie die Scheunendrescher
Am Samstag haben wir dann eine Black Taxi Tour gemacht – das heißt, man wird von einem dieser schwarzen alten britischen Taxis abgeholt und fährt dann durch die Bezirke, die von den Troubles am meisten betroffen waren, und zwar den protestantischen Bezirk um die Shankill Road und den katholischen um die Falls Road. Die beiden Bezirke werden getrennt durch die so-genannte Peaceline, eine mehrere Meter hohe Mauer, die dem Zweck dient(e), dass sich die Unionisten und die Nationalisten nicht gegenseitig die Köpfe abreißen (was sie ja bekanntlich trotzdem getan haben). Wir durften uns auch auf der Mauer verewigen – das ist legal und wird, laut dem Taxifahrer, sogar gewünscht. Wir waren erst etwas zögerlich (immerhin hat man uns beigebracht, dass man nicht einfach so auf Mauern schreiben darf), aber der er meinte dann „Oh come on, you cannot not sign the wall!!“. Der Taxifahrer hat uns während der Fahrt einiges über die Geschichte und den Konflikt erzählt und es war sehr interessant. Haben natürlich auch die berühmten Murals angeschaut, was auch sehr spannend war – gerade im protestantischen Viertel sind die Murals extrem politisch konnotiert. Auf einem z.B. war Oliver Cromwell und untendrunter standen explizit anti-katholische Parolen; auf einem anderen war William of Orange zu sehen und daneben stand groß „1690″ (da war die Schlacht am Boyne, die die Protestanten heute noch als ihren großen Triumph feiern). Im katholischen Viertel haben wir eigentlich hauptsächlich Murals angeschaut, die an den Hungerstreik von 1981 erinnern. Auf der Falls Road haben wir unter anderem auch das Hauptquartier von Sinn Fein gesehen. Die Taxi Tour war im ganzen wirklich spannend und ich kann nur empfehlen, falls jemand mal nach Belfast kommt, auch so eine Tour zu machen. Aber vielleicht dann eher früher am Tag, bei uns wurde es nämlich mittendrin dunkel…
Am Sonntag war ich mit Esther und Amanda in einem anglikanischen Gottesdienst. Ich habe ja letzte Woche eine Hausarbeit über die Elisabethanische Kirche geschrieben und inwiefern sie ein Mittelweg zwischen katholischer Liturgie und evangelischer Doktrin war bzw. immernoch ist und von daher war der Gottesdienst für mich wahnsinnig interessant. Danach sind wir eigentlich den ganzen Tag durch Belfast gewandert und waren ein bisschen einkaufen. Am Montag haben wir dann eine Paddywagon Tour an den Giant’s Causeway und nach Derry mitgemacht. Zuerst sind wir an die Carrick-a-Rede Rope Bridge gefahren, allerdings ist die im Dezember geschlossen, sodass wir nicht drüberlaufen konnten. Danach ging es an den Giant’s Causeway – der besteht aus tausenden von sechseckigen Basaltsäulen, die vermutlich durch einen Vulkanausbruch entstanden sind. Die Iren allerdings glauben diese Theorie ja nicht so ganz – die behaupten, dass der Riese Fionn Mac Cumhaill den Causeway als Brücke nach Schottland gebaut hat, weil er da auf Brautschau gehen wollte ![]()
Wir haben uns natürlich den einzigen Tag am ganzen Wochenende ausgesucht, an dem das Wetter nicht so rosig war, aber dafür haben wir auch tolle Wellen zu sehen bekommen. Den Causeway an sich fand ich sehr beeindruckend (gebt am besten mal Giant’s Causeway in Google Bilder ein, man kann so schlecht erklären, wie er aussieht), auch wenn ich ihn mir ein bisschen größer vorgestellt hatte. War trotzdem toll und wenn man in Nordirland ist, muss man ihn auf jeden Fall gesehen haben. Danach ging es weiter nach Derry. Dort haben wir eine etwas andere Art von Stadtführung bekommen. Unser Stadtführer, Rory, schätzungsweise so um die 30, war ein überzeugter Katholik. Er ist in dem katholischen Stadtbezirk Bogside aufgewachsen und hat die Troubles zum Teil selbst miterlebt. Man kann sich also vorstellen, dass die Führung als solches alles andere als objektiv war. Generell muss ich auch sagen, dass man in Derry die Trennung noch viel mehr spührt als in Belfast, besonders in dem Viertel Bogside. Dort ist der Hass auf die Briten echt extrem, was noch auf den Bloody Sunday 1972 zurückgeht, an dem dort während einer Demonstration 14 unbewaffnete Zivilisten von britischen Soldaten erschossen wurden, zum Großteil in den Rücken bzw. Hinterkopf, d.h. während sie versucht haben wegzurennen. Auf der Straße wo das passiert ist erinnern noch zahlreiche Murals an den Bloody Sunday und das zu sehen war wirklich erschütternd. Ich war mir ehrlich gesagt nicht bewusst, dass die Troubles ein solches Ausmaß hatten, wie ich es am Wochenende gelernt habe. Es gibt in Derry (oder Londonderry, wie die Loyalisten sagen) aber auch sonst noch einiges zu sehen, z.B. eine völlig intakte Stadtmauer, die die komplette Altstadt einschließt.Außerdem war in Derry am Montag die Hölle los – Eoghan, ein 16-jähriger Teilnehmer von „The X-Factor“ (das britische DSDS) war zu Besuch und die ganzen Teenies waren außer Kontrolle… wie Rory so schön sagte: „that damn kid is destroying my visuals!!“ Haha. Naja, um das ganze Mal abzukürzen (verliere mich hier ja mal wieder 1A in Details): nach der Stadtführung sind wir wieder nach Belfast zurück gefahren wo wir ein letztes Mal den Weihnachtsmarkt genossen haben. Am Dienstag ging es dann wieder zurück nach Galway. Das war Belfast…
Ansonsten habe ich im letzten Monat noch einige Essays geschrieben und es standen natürlich zahlreiche Pubbesuche und sonstige Events an. Heute werde ich ein paar Plätzchen backen, sofern ich hier alle Zutaten finden kann, und morgen gibt es einen DVD-Abend mit Weihnachtsfilmen, Plätzchen und Aldi-Glühwein, hehe. Und heut in einer Woche komm ich auch schon heim – die Zeit vergeht wie im Flug…
Ich hab jetzt auch mal Hunger. Bid bald
Nach zwei Monaten im Land der 40 Grüntöne gibt es noch immer einige Dinge, die sich mir einfach nicht erschließen wollen…
1. Warum ist in diesem Land von 25 Bushaltestellen nur eine überdacht, obwohl es ständig regnet?
2. Warum gibt es nur Papiertüten??? Hat den Iren noch niemand erzählt, dass Papiertüten im Regen aufweichen?
3. Wozu gibt es einen Busfahrplan, wenn sich KEIN EINZIGER Bus daran hält?
4. Warum kostet eine ganz normale Packung Käse im normalen Supermarkt 3,59 Euro, obwohl es so viele Kühe gibt??
5. Warum kostet ein Liter Milch ca. einen Euro, obwohl es so viele Kühe gibt?
6. Warum gibt es in einem Land mit überdurchschnittlich hoher Niederschlagsmenge nur alle 3 Kilometer mal einen Gullideckel??
7. Warum können irische Frauen bei 3°C Tagestemperatur in kurzem Röckchen und ohne Strumpfhosen durch die Gegend laufen, ohne Frostbeulen zu bekommen?
…to be continued…
Ja, der Herbst ist jetzt auch in Irland angekommen!! Die Blätter werden alle bunt und das Wetter schlechter. Aber da wir ja von vornherein wussten, dass das hier keine 9 Monate Sommerurlaub werden, lässt man sich davon nicht wirklich die Laune verderben…
So, wo war ich stehen geblieben?? Vorletze Woche Donnerstag glaub ich…
Also. Wir haben uns nach langem hin und her zwischen RPS-Championships und NUIG’s Got Talent für letzteres entschieden. Bin mit Laura und Alice zusammen dort hingegangen und es hat wirklich Spaß gemacht. Zum Teil waren die Leute, die angetreten sind auch richtig gut!! Zum Beispiel war ein sehr guter Gitarrist dabei… Danach sind wir Richtung Eyre Square spaziert und wollten eigentlich noch in einen Pub, waren dann aber zu müde und haben nur noch kurz was gegessen, bevor wir den letzten Bus nach Hause genommen haben. Am Freitag waren wir nach der Vorlesung Kaffee trinken und dann kam Clay, ein Freund von Laura, zu Besuch. Er studiert gerade in Madrid und wir werden ihn auch übernächste Woche in Lissabon treffen. Laura, Clay und ich sind am Freitagabend dann zum ersten Rugby-Spiel meines Lebens gegangen: Connaught gegen London Irish. Wir waren natürlich für Connaught, auch wenn ich ihrer Niederlage dann im Endeffekt relativ emotionslos gegenüberstand. Aber die Fans waren auch nicht weiter betrübt, denn anscheinend ist Connaught einfach so grottenschlecht, dass sie nichts anderes erwartet haben. ![]()
Ich kann das nicht wirklich beurteilen, weil sich mir die Regeln nicht wirklich erschlossen haben. Für mich waren das einfach ein paar Kerle mit komischen Hüten, die einem ovalen Ball hinterhergerannt sind. Das Ziel war scheinbar, das Ei dann in oder über das Tor zu befördern und unterwegs möglichst viele Gegner umzunieten. Aber wie auch immer, es hat sehr viel Spaß gemacht. Allein die Atmosphäre war es wert und ich werde mir bei Gelegenheit sicher nochmal ein Spiel ansehen – aber nur, wenn der Regen nicht gerade senkrecht vom Himmel kommt. Da half nämlich auch das Dach über der Zuschauertribüne nichts mehr…
Nach dem Spiel waren wir im Couch Potatas essen und wurden netterweise von Clay eingeladen. Danach waren wir noch auf ein Pint im King’s Head.
Am Samstag sind Laura und Clay auf die Burren-Tour gefahren, aber da ich den Burren und die Klippen ja nun schon zweimal gesehen habe und das Wetter auch nicht so berauschend war, bin ich nicht nochmal mitgefahren. Stattdessen war ich mit Amanda auf dem samstäglichen Markt hier in Galway. Da gibt es frisches Gemüse, Brot und ganz viele andere leckere Dinge… Abends hat Laura mir die Haare getönt – ich bin jetzt brünett!! Am Anfang war es ungewohnt, aber mittlerweile gefällt es mir und ich denke, ich bleibe jetzt erstmal eine Weile so – auch wenn es sich ziemlich schnell rauswäscht. Sonntags hätte dann ja eigentlich der Trip nach Coole Park angestanden. Als wir aufgestanden sind, hat es aber geschüttet als ginge die Welt unter und im Fernsehen wurde Sturmwarnung durchgegeben, deshalb dachten wir uns, dass das vielleicht nicht der optimale Tag für einen Ausflug in einen Park ist und sind zu Hause geblieben. Das stellte sich dann auch als sehr vernünftig raus, denn das Wetter wurde tatsächlich noch schlechter und als ich mich mal kurz vor die Tür gewagt habe, hätte es mich fast weggepustet…
Der Montag war recht unspektakulär. Am Dienstagabend waren wir wieder bei Sarah und Catherine zum Abendessen. Diesmal gab es Chili Con Carne auf amerikanische Art – heißt: Tacochips zerbröseln, Chili drauf, Sour Cream drauf, dick Käse drauf und fertig. Es hat göttlich geschmeckt, aber ich will einfach gar nicht wissen, wie viele Kalorien das hatte… ![]()
Am Mittwoch hatten wir ENDLICH unsere erste Pilates-Stunde. Es hat total Spaß gemacht und ich hab echt gemerkt, wie sehr ich das vermisst hatte. War danach so euphorisch, dass ich mich noch für einen anderen Kurs angemeldet habe: Lunch-time Tai Chi. Der fängt übermorgen an und ich freu mich schon total. Unsere Trainerin ist wahnsinnig nett und sie legt den Schwerpunkt auf die Rückenmuskulatur, was mir sehr entgegenkommt, weil ich hoffe, dadurch meine Haltung etwas verbessern zu können. Der Donnerstag habe ich an meinem British History Midterm geschrieben und Freitag ging es dann los nach Sligo. Wir hatten ja ursprünglich vor, nach Nordirland zu fahren, aber als wir uns am Mittwoch nochmal getroffen hatten, haben wir uns überlegt, dass es sinnvoller ist, da vielleicht nach Vorlesungsende, also Anfang Dezember, für eine ganze Woche hinzufahren. Es gibt dort einfach unheimlich viel zu sehen und allein für Belfast braucht man laut den Iren schon einige Zeit. Der Weg dorthin ist allerdings sehr umständlich und deshalb wollen wir nicht mehrmals nach oben fahren. Also haben wir (Amanda, Anne, Esther und ich) uns für Sligo entschieden. Wie gesagt, Freitagmorgen ging es los und das Wetter war super!! Sligo ist eine hübsche kleine Stadt – etwas kleiner noch als Galway. Ich weiß nicht, was genau sie mit den Franzosen zu tun haben, aber es gibt jede Menge französische Cafés, einen französischen Markt (auf dem „German Bratwurst“ verkauft wurde) und in den Straßen wird französische Musik gespielt. Wir hatten Glück und haben ein Vierbettzimmer mit eigenem Bad in einem Hostel gefunden. War zwar nicht das Ritz, aber für unsere Zwecke absolut in Ordnung. Wir sind dann etwas durch die Stadt spaziert, über den Markt, haben uns alles angeschaut und waren gemütlich Kaffee trinken. Abends haben wir uns dann mal etwas richtig gutes gegönnt – wir waren in einem Restaurant namens „Fiddler’s Creek“ dinieren, und das war eines der schönsten Restaurants, in denen ich je war. Das Essen war unglaublich gut (ich hatte Chicken Kiev mit Salat) und wir haben uns sogar nach langem mal wieder Wein gegönnt (für schlanke 21 Euro die Flasche – und das war der billigste Weißwein, den sie hatten – aber keine Angst, ich habe keine ganze Flasche allein getrunken). Danach waren wir in einem kleinen, gemütlichen Pub mit richtig guter Live-Musik etwas trinken. So gegen halb zwei wollten wir uns dann auf den Rückweg zum Hostel machen, aber die Raucher unter uns brauchten „dringend“ Kippen, deshalb haben wir uns dann noch auf Zigaretten-Jagd begeben. Haben dann tatsächlich noch einen 24/7-Tesco aufgetan und dort dann mindestens eine Dreiviertelstunde zugebracht. Es war irgendwie total surreal, mitten in der nacht in einem menschenleeren Supermarkt zu sein. Haben dann dort die Halloween-Abteilung entdeckt und – wie soll ich sagen – es ist etwas eskaliert. Wir haben so ca. alle Masken, Hüte, Brillen etc. die sie hatten aufprobiert und es war ein Heidenspaß. Sind dann aber irgendwann wieder zur Besinnung gekommen und Richtung Kassenautomat geschlendert – ja, ich wusste auch nicht, dass es so etwas in Supermärkten gibt.
Am nächsten Morgen hat es dann so richtig geschüttet, deshalb haben wir uns entschieden, schon am Samstag wieder zurück nach Galway zu fahren. Mussten um 10 Uhr aus dem Hostel raus und sind dann in die Stadt frühstücken gegangen – das war nämlich nicht inklusive. Haben wieder sehr gut gespeist – ich hatte griechischen Joghurt mit einer Art Zimt-Beeren-Kompott und wir haben uns noch eine Käseplatte und Brot geteilt. Danach sind wir wieder etwas durch die Stadt gelaufen, war bei dem Wetter aber nicht wirklich lustig, deshalb haben wir uns dann in eines der vielen Shopping-Center verzogen. Ich weiß ja nicht, was die Iren mit diesen ganzen Einkaufszentren wollen. In jeder einigermaßen großen Stadt gint es zig von den Dingern. Vielleicht, weil es so viel regnet… wer weiß. Am Nachmittag ging dann unser Bus nach Hause und wir haben uns für den Abend zum DVD gucken verabredet. Amanda ist ganz heiß darauf, deutsche Filme mit Untertiteln zu gucken, deshalb haben wir „Das Leben der Anderen“ geschaut. Guter Film, kann ich nur empfehlen! Sonntag und Montag habe ich eigentlich hauptsächlich mit meinem British History Midterm zugebracht, das heute fällig war. Ich hatte eigentlich ein sehr interessantes Thema („Assess the impact of the British borderlands on the course of the Wars of the Roses in the period 1459 – 1487″), aber ich hatte etwas Probleme mit dem Wordlimit (2000 Wörter ist nicht gerade viel für dieses Thema) und mit der Gliederung. Es war einfach eine Informationsflut, die ich irgendwie in diese 2000 Wörter quetschen musste und ich wusste nicht wirklich, wie ich das Essay strukturieren sollte, um das möglichst gut hinzubekommen. Naja, aber ich denke, dass ich im Endeffekt etwas relativ Anständiges aufs Papier gebracht habe. Man darf gespannt sein. Habe es auf jeden Fall heute abgegeben und unser Prof hat uns „netterweise“ gleich die Themen für das Final Essay gegeben, das heute in einem Monat fällig ist, damit wir auch ja nicht auf die Idee kommen, Pause zu machen. Es artet zu Zeit aber wirklich etwas aus, mit dem ganzen Unikram. Die Deadline für die Englisch-Essays ist der 8. Dezember (spätestens) und ich bin etwas ratlos, wie ich das alles machen soll…. Aber es wird sich schon irgendwie ergeben. Gerade ist auf jeden Fall der totale Midterm-Stress in der Uni. Die Bibliothek ist abartig voll; ich hab heute stolze 35 Minuten warten müssen, bis ich an einen PC kam, um mein Essay ausdrucken zu können und vor der Bücherrückgabe stehen Schlangen bis zur Tür. Außerdem habe ich das Gefühl, dass grundsätzlich einfach viel mehr Leute in der Uni sind als sonst und das weckte in mir den leisen Verdacht, dass die Iren die Uni nicht wirklich sonderlich ernst nehmen und eigentlich nur dann auftauchen, wenn etwas besonderes ansteht, wie jetzt eben Midterms. Das hat sich dann auch gleich bestätigt, als mich in British History ein irischer Student gefragt hat, ob wir die Themen für das Midterm Assignment schon bekommen hätten und wann das denn fällig sei. Wir haben die Themen vor vier oder fünf Wochen bekommen und sind seitdem in so ca. jeder Vorlesung daran erinnert worden. So viel also zum Thema…
Morgen steht wieder das wöchentliche Mittwochs-Kaffeetrinken an und danach die zweite Pilates-Stunde. Freu mich schon ![]()
Am Donnerstag ist dann Tai-Chi und abends der große „Socs Halloween Ball“. Habe wirklich Glück, dass der schon am 30. Oktober und nicht erst am 31. ist, denn so kann ich den noch mitnehmen, bevor ich mich dann am Freitagmorgen auf den Heimweg mache. Freue mich schon sehr!!
Aber jetzt muss ich mal was essen, habe einen riesen Hunger. Ich hoffe es geht euch allen gut und ich seh einige von euch ja dann am Wochenende! Freu mich, freu mich, freu mich!!!
Liebe Grüße aus dem herbstlichen und nach wie vor großartigen Galway,
Eure Elli
P.S.: Okay, wer nachzählt, wie oft ich in diesem Eintrag die Wörter „dann“ und „wirklich“ benutzt habe, der kriegt ’nen Keks!!
(Präambel *ähem*: Alle, die sich die nächsten 1400 Wörter sparen wollen, können auch einfach die letzten zwei Zeilen lesen…
)
Die Zeit rennt und ich habe schon wieder so lange nichts von mir hören lassen – ich weiß, ich vernachlässige alle und alles sträflich, aber hier ist wirklich verdammt viel zu tun. Ich hab gerade sehr viel Arbeit für die Uni (es artet aus!!) und in der wenigen Freizeit die mir noch bleibt will ich natürlich auch was erleben. Ich versuche aber jetzt wenigstens mal ein mehr oder weniger kurzes Update über die Geschehnisse der letzten zwei Wochen zu geben, damit sich keiner beschweren kann
.
First things first: Ihr wisst es wahrscheinlich schon alle, aber ich erzähle es trotzdem nochmal… hehe.
Am 7. Oktober ist mein zweiter Neffe Lukas geboren. Mann, ich war wirklich total überrascht. Da komm ich nichtsahnend von der Uni heim, mache den PC an und da ist eine Nachricht „Vor zwei Stunden ist Lukas auf die Welt gekommen“. Der kleine Mann ist gesund und wahnsinnig süß und ich freue mich riiiiiiiesig. Am 31. Oktober komme ich dann zum Neffen-Angucken nach Hause…. Ich freu mich soooo!!! Schade, dass ich ihn nicht gleich sehen konnte… aber es ist ja nicht mehr lange, zumal die Zeit im Moment echt wie im Flug vergeht. Ich frage mich wirklich, wo die letzten Wochen geblieben sind! Am 2. Oktober war ich das erste Mal beim Friseur hier und es war – ich hatte es geahnt – ein Desaster!! Der hat mir Haare abgeschnitten, die überhaupt nicht weg sollten! Musste danach erst mal eine Haarschneideschere kaufen zwecks Schadensbegrenzung… Alles muss man selber machen…!! ![]()
Habe danach aber eine nette Entschädigung bekommen: Bin mit Anne durch die Shop Street gelaufen und es fing an zu regnen, deshalb sind wir schnell in den HMV geflüchtet. Und zufällig hatte da gerade, so zwei Minuten früher, ein kostenloses Live-Konzert von Lisa Hannigan angefangen (die Frau mit der schönen Stimme, die früher immer mit Damien Rice gesungen hat). Das haben wir uns dann angehört und es war wirklich gut (zumal ich wirklich überlegt hatte, am Abend zuvor in ihr Konzert in der Black Box zu gehen, für das man hätte 20 Euronen blechen müssen)!!! Abends war dann der traditionelle „Ceili Mór“ von der ISS und der Trad Soc. Hier kurz die durchaus zutreffende Beschreibung, die in der Einladung stand: „A Ceili is a big traditional Irish dance that involves much swinging and jumping and hopping and skipping and, if you do it right, much falling and sweating and bruising.“ Und ich kann euch sagen – das war ein Spaß! Wir haben den ganzen Abend “getanzt”, wenn man das so nennen kann (eigentlich war es vielmehr ein unkoordiniertes Rumgehampel), und kurz vor Schluss fingen die ganzen betrunkenen Iren an aus vollem Halse die irische Nationalhymne, Amhrán na bhFiann, zu grölen (angeblich gehört das sich nach einem anständigen Ceili auch so). Nach dem Ceili sind wir noch alle zusammen ins Roisín Dubh gegangen und es gab noch eine Runde French Fries mit Curry-Sauce – mitten in der Nacht. Am Wochenende waren wir mit Laura’s Freundin Erica, die zu Besuch war, hier in Galway unterwegs, waren in der Crane Bar, im King’s Head und bei McDonagh’s Fish & Chips bzw. Chowder essen. Am Montag hatte ich meine erste Meatloaf-experience. Wir waren bei Catherine und Sarah zum Essen eingeladen und es gab eben dieses berühmt-berüchtigte Mealoaf (Zitat Laura: „It’s SO good!“; Zitat Amanda: „Ewwwww!!“). Im Prinzip ist das einfach eine große Frikadelle. Ein bisschen wie Hackbraten. War aber sehr lecker und wir hatten einen total schönen Abend. Dienstag war wie gesagt Lukas Geburtstag
. Außerdem habe ich mein erstes Essay zurück bekommen und eine sehr gute Kritik, besonders bezüglich Sprache und Ausdruck bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Das Tüpfelchen auf dem i am Dienstag war dann, dass Laura und ich eine Reise nach Lissabon im November gebucht haben. Ich freu mich wie ein Schneekönig!!!
Es wird spät, ich sollte mich etwas kürzer fassen
. Freitag bin ich morgens schon nach Dublin gefahren. Die Busfahrt war etwas anstrengend, zumal ich eine ältere Irin neben mir sitzen hatte, die sich partout mit mir unterhalten wollte, während ich eigentlich dringend diverse Texte für die Uni hätte lesen müssen. In Dublin habe ich mich dann mit Kerstin und ihrer Freundin Cornelia getroffen. Wir haben im Temple Bar Hotel gewohnt, das sich, wie der Name ja schon sagt, mitten in Temple Bar befindet, also wirklich zentral. Das Hotel war auch wirklich in Ordnung, wenngleich die Geräuschkulisse zuweilen etwas anstrengend war (Belüftungsanlage und diverse Junggesellenabschiede). Das Porridge zum Frühstück hatte auch mit dem, was ich hier jeden Morgen zum Frühstück habe, nicht wirklich viel zu tun – eine mit Wasser (!!) angerührte Pampe, die nach nichts geschmeckt hat. Aber wir wollen uns ja nicht beschweren…. ![]()
Dublin an sich hat mich nach wie vor nicht so wirklich vom Hocker gerissen (Kerstin hatte ja zwischenzeitlich den Verdacht, dass mich das Tourist Board von Galway für Werbezwecke engagiert hatte, weil ich regelmäßig meine Begeisterung für Galway zum Ausdruck bringen musste, hihi), aber wir hatten unseren Spaß. Viel Shopping (ich habe nicht länger widerstehen können und habe bei Penneys einen von diesen unfassbar bequemen aber weniger schönen 10€-Bademänteln erstanden. Und ich lebe jetzt darin, hihi. Immerhin habe ich keinen in Zebra-Muster, so wie Laura
), eine Hop-on Hop-off-Bustour durch ganz Dublin (der erste Busfahrer war ein Hit!), Starbucks (!!!), gutes Essen und das ein oder andere Pint im Pub. Wir haben und auch mal am sogenannten „Plaster-Spotting“ versucht (wenn es dunkel ist reichen Menschen in die Fenster gucken), aber waren nicht so erfolgreich. War irgendwie keiner zu Hause am Samstagabend… Kerstin und Cornelia haben sich dann noch das Book of Kells angesehen und ich bin so ganz Straßenkind-like mit dem kompletten Gepäck draußen sitzen geblieben – hihi.
Sonntagmittag sind wir dann mit dem Mietauto wieder Richtung Westen aufgebrochen. Den Rest vom Sonntag und einen guten Teil vom Montag habe ich dann mit meinem Midterm-Essay für Contemporary Irish Drama zugebracht, das am Dienstag fällig war. Außerdem haben wir uns jetzt endlich für Pilates angemeldet – nächsten Mittwoch geht es los! Montagabend kamen Sarah und Catherine zum wöchentlichen Abendessen (diese Woche gab’s Spinatlasagne). Gestern bin ich dann nach einem langen Unitag mit Kerstin und Cornelia im „Tamarind“ essen gewesen (viiiiiel gutes Essen in den letzten Tagen!!). Danach sind wir noch in meinen Lieblingspub „The Skeff“ gegangen. Heute auch wieder Uni – Kerstin und Cornelia waren mit in meiner 19th Century-Vorlesung und ich dachte ja, ich könnte sie in alter Sklavenhaltermanier für mich mitschreiben lassen, aber die beiden lassen sich echt viel zu leicht ablenken…
Dann sind wir ein bisschen durch Galway gelaufen und ich habe ihnen die nicht-existenten Sehenswürdigkeiten von Galway gezeigt, hihi. Die beiden waren dann auch noch so nett und sind mit mir zum Aldi gefahren, wo ich dann UNMENGEN an Getränkevorräten eingekauft habe (einkaufen ist sooo viel leichter mit Auto!! In Zukunft sag ich Bescheid, wenn meine Getränke leer sind und dann muss mich immer jemand besuchen kommen
). Zur Belohnung durften die beiden dann bei uns Friends gucken und richtiges, leckeres Porridge mit Birne essen. ![]()
Heute Abend waren wir in einem Kartoffelrestaurant namens „Couch Potatas“ essen und danach folgte der für jeden Galway-Touristen obligatorische Besuch im King’s Head, wo wir nach einem sehr nervenaufreibenden WM-Qualifikations-Fußballspiel zwischen Irland und Zypern (die Iren haben natürlich gewonnen) sogar Live-Musik bekommen haben. Ja, und dann mussten wir uns dann auch verabschieden, denn die beiden fahren morgen früh weiter Richtung Süden.
Morgen werde ich wohl oder übel für mein Midterm-Essay in British History über die englischen Borderlands während der Rosenkriege recherchieren müssen (mittlerweile gehen mir die ganzen Richards, Henrys und Edwards schon ein bisschen auf den Zeiger) und morgen Abend stehen gleich mehrere Optionen zur Auswahl – einmal findet morgen die ultimative Rock-Paper-Scissors-Competition der Nothing Specific Society an (klingt verlockend, zumal ich ja gestern mit Laura trainiert und ordentlich abgeräumt habe), und gleichzeitig ist morgen die erste Runde von NUIG’s Got Talent (klingt auch verlockend – anderen Menschen zusehen wie sie sich blamieren (oder auch nicht)). Ich denke es wird auf Letzteres hinauslaufen… Am Sonntag steht der Coole Park-Trip mit der ISS an. Das soll eine wunderschöne Parkanlage sein, in der wohl unter anderem der Herr Yeats des Öfteren herum flaniert ist und sich hat inspirieren lassen („Wild Swans at Coole“ zum Beispiel: „The trees are in their autumn beauty/The woodland paths are dry/ Under the October twilight the water/ mirrors a still sky.“). Nächste Woche fängt dann Pilates an, ich muss Essays schreiben und abgeben und das Wochenende steht dann unser großer Road Trip nach Nordirland an – juhu. Ja, und eine Woche später bin ich dann auch schon für ein paar Tage zu Hause. Freu mich schon auf euch – sogar so sehr, dass ich beim Buchen verpennt habe, dass am 31. Oktober ja Halloween ist. Aber zum Glück finden die ganzen Partys ja auch schon vorher statt. Laura und ich haben auch schon hardcore-dekoriert. Unsere Wohnung sieht aus wie in einem verdammt schlechten Ami-Film und auf unserer Couch sitzt ein ziemlich großes aufblasbares Skelett namens Fred, das mich jedes Mal wenn ich ins Wohnzimmer komme fast zu Tode erschreckt….
Ach, und was ich auch nochmal sagen wollte: ich bekomme ja schändlich wenig Post (wenig elektronische, so gut wie gar keine richtige (außer von der Bank –na toll!))! Da beschweren sich alle, dass ich mich nicht melde, aber ich bekomme auch etwas wenig Input ehrlich gesagt. (!!!!!!!)
So, na toll, jetzt ist das mit dem kurz fassen ja wieder mal gründlich schief gegangen und es ist fast zwei und ich muss morgen um elf in der Uni sein und grr…. Naja, was tut man nicht alles. ![]()
Also nochmal eine kurze Zusammenfassung: Mir geht es nach wie vor sehr gut hier, ich liebe Galway und Irland, auch wenn gerade relativ viel zu tun ist und die Zeit fliegt… wir sehen uns vielleicht/wahrscheinlich in zwei Wochen dann…
Und in drei Wochen bin ich off to Portugal – juchuuuuu!!
Ach herrje, ich vernachlässige das hier ganz schön. Sorry!!
Habe aber zu meiner Verteidigung zu sagen, dass hier gerade so viel zu tun ist, dass ich einfach nicht dazu komme, und ich finde, wer mir nicht mal ein Kommentar hinterlässt (was ja fast keiner tut. Schämt euch!), der braucht auch nicht motzen… ![]()
Also, ich versuche mich mal an alles zu erinnern, was in der letzten Woche so passiert ist.
Letzten Sonntag war ich mit Anne in Salthill schwimmen und dieses Schwimmbad war seine stolzen 4,80 Euro (+2 Euro für die obligatorische Badekappe) definitiv nicht wert. Alles ist irgendwie gammelig und es gab nur zwei Bahnen für Leute, die tatsächlich schwimmen wollten. War nicht wirklich spaßig, weil ich die ganze Zeit hinter einem ca. zehnjährigen Iren herschwimmen musste, der irgendwelche meiner Meinung nach nicht existenten Schwimmstile ausprobiert hat und sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 2 Metern pro Stunde bewegt hat. Ich bin ja auch nicht die schnellste Schwimmerin, aber das war echt laaaangsaaaam. Deshalb haben wir auch nach einer Dreiviertelstunde abgebrochen und stattdessen noch das Dampfbad benutzt, was immerhin inklusive war. Danach haben wir dann festgestellt, dass man für gerade mal 20 Cent mehr auch den brandneuen Pool im Uni-Fitnessstudio nutzen kann, der ungefähr halb so weit entfernt ist wie Salthill. Naja. So kamen wir immerhin noch ans Meer. Am Dienstag war Clubs Day und wir sind dann dem Swimming Club beigetreten, weil wir dachten, das sei dann kostenlos. Es stellte sich jetzt allerdings raus, dass man eine relativ teure Pool-Nutzungsgebühr zahlen muss und ich bräuchte dann auch noch einen Badeanzug, deshalb werde ich glaub ich einfach zukünftig einmal die Woche auf eigene Faust schwimmen gehen. Die anderen Clubs waren leider alle nichts, weil man sich entweder für teures Geld Equipment anschaffen muss oder weil es war mit Bällen zu tun hat, was ja bekanntlich jetzt nicht unbedingt meine Tasse Tee ist. Sind aber immer noch am überlegen, Yoga zu machen, bzw. gibt es hier im Fitnessstudio auch Pay as you go-Kurse, sodass man einfach vier Euro zahlen und dann eine Stunde Sport machen kann. Mal sehen, worauf es hinausläuft.
Mittwoch war Societies Day. Hier in der Uni gibt es unfassbar viele Societies!!! Bin der International Students Society, der Food and Drink Society (die machen Weinproben, Kochkurse und lauter tolle Sachen), der Nothing Specific Society (eine der beliebtesten Societies, da sie einfach alles mögliche und nichts bestimmtes anbieten), ALIVE (Volunteering) und An Cumman Staire (die History Society, die lauter spannende Vorträge, Ausflüge und andere Events organisiert) beigetreten. Es gab noch jede Menge anderer Dinge, aber ich wollte nicht zu viel machen und hab ja immer noch nächstes Semester, wo ich mir dann andere Socs aussuchen kann. Abends war die ISS Dress as your Country Party. Wir Deutschen haben uns dazu vorher bei Esther zum Pizza essen und umziehen getroffen. Die anderen hatten wirklich passende Sachen an, Anne hatte sogar ein Dirndl-ähnliches Kleid gefunden. Ich wollte allerdings kein Geld für neue Sachen ausgeben, die ich wahrscheinlich ohnehin nie mehr angezogen hätte und hab deshalb einfach ein kariertes Hemd, eine bis zu den Knien hochgekrempelte Jeans und hochgezogene Wollsocken angezogen und mir zwei Zöpfe gemacht. Nicht sehr kreativ, aber ich hatte immerhin alles schon da. Die Party an sich war super – es waren viele Leute da und die Stimmung war richtig gut. Es stellte sich allerdings heraus, dass es gut war, dass ich kein Geld ausgegeben hatte, denn viele waren gar nicht verkleidet, was irgendwie etwas schade war. Hab auch an irgendeinem Punkt dann meine Jeans lieber wieder runter gekrempelt.
Um Mitternacht hatte Anne dann Geburtstag! Leider schließen die Pubs hier unter der Woche schon gegen zwölf, sodass wir kurz nach zwölf unsanft aus dem Mixers geschmissen wurden und in einen Club umziehen mussten. Sind dann noch eine Weile ins Roisín Dubh gegangen, aber gegen zwei bin ich dann mit Amanda heimgelaufen, denn am Donnerstag musste ich schon wieder gegen neun raus. Haben zur Feier des Tages unsere erste Vorlesung ausfallen lassen (wäre ohnehin doof gewesen, weil das Buch, das wir hätten lesen müssen, nirgends zu bekommen war) und sind zu HMV gegangen, wo der Cadbury Gorilla gespielt hat. (Zur Erklärung: HMV ist ein CD- und DVD-Geschäft. Der Cadbury Gorilla ist ein Gorilla, der in der Cadbury (=Schokolade)-Werbung innbrünstig zu Bonnie Tyler’s „Total Eclipse of the Heart“ auf einem Schlagzeug rumtrommelt.) Die Werbung ist ganz lustig, deshalb sind wir hingegangen, aber das Affenkostüm war sehr sehr schlecht und die Schlagzeugerfähigkeiten des Menschen, der in dem Kostüm steckte, waren relativ amateurhaft, von daher hat es sich nicht wirklich gelohnt. War aber trotzdem witzig, zumal als wir aus dem Geschäft raus kamen an die hundert Leute für die zweite Vorstellung anstanden, während wir gar nicht anstehen mussten.
Sind dann am Kanal zur Uni zurück gelaufen und anlässlich Annes Geburtstag im Stud House Mittagessen gegangen. Später waren wir dann noch im Unipark Apfelkuchen essen und haben Anne unser Geschenk überreicht. Abends bin ich dann mit meinem Irish Drama Seminar ins Theater gegangen. Wir haben Martin McDonaghs „The Cripple of Inishmaan“ gesehen und es war unglaublich gut. Aufgeführt wurde es von der Druid Theatre Company und es haben lauter renommierte Schauspieler mitgespielt – eine z.B. hat den Drama Desk Award gewonnen, eine andere hat schon die Ophelia bei der Royal Shakespeare Company gespielt. Die Geschichte werde ich euch jetzt mal ersparen, aber es war wirklich super und ich bin froh, dort hingegangen zu sein. Habe auch fest vor, im Dezember das nächste Stück der Gruppe anzusehen. Im Anschluss waren wir noch im King’s Head, Annes Geburtstag ausklingen lassen. Freitag war dann hauptsächlich Uni und ausruhen angesagt, denn am Samstag war um 5.45 Uhr die Nacht vorbei, denn ich bin mit Anne, Esther und Franzi nach Dublin gefahren. Eigentlich wollte Amanda noch mitkommen, die ist aber leider krank geworden und hat gestern den ganzen Tag flach gelegen. Wir vermuten, dass es am Leitungswasser lag, das sie getrunken hat. Soll man hier im Moment nämlich vermeiden, da es total verdreckt ist. Naja, so haben wir halt mal einen Deutsch-Tag eingelegt, was auch mal ganz entspannend war. Um 7.30 Uhr ging unser Bus nach Dublin und um 10.45 Uhr kamen wir dort an. Nachdem wir den obligatorischen Kaffee zu uns genommen hatten, sind wir gleich Richtung Trinity College losgegangen, wo wir uns die alte Bibliothek, das Book of Kells und andere alte Manuskripte und Bücher angesehen haben. Ich fand es wirklich unglaublich beeindruckend!!! Das Book of Kells ist mehr als 1000 (!!!!) Jahre alt und sehr gut erhalten. Leider war es brechend voll, da Samstag, und deshalb konnte man sich nicht alles genau angucken. Die Bibliothek ist wunderschön, aber man wird einfach durchgeschleust und darf (logischerweise) nichts anfassen. Das ist zwar einleuchtend, aber ich muss trotzdem sagen, dass fas für mich nicht der Sinn von Bibliotheken ist. Ich wäre gerne länger dort geblieben und wäre auf die Leitern gestiegen und hätte mir die Bücher angesehen. Aber das ging ja leider nicht… Das Trinity College an sich fang ich enttäuschend. Mir gefällt unsere Uni hier wesentlich besser und mich würde es auch nerven, wenn jeden Tag so um die Tausend Touristen über den Campus latschen würden, wo ich studieren soll. Generell habe ich mir Dublin anders vorgestellt. Im Vergleich zu Galway ist Dublin kaum irisch, sondern sieht an vielen Stellen sehr englisch aus, sodass man genauso gut in London stehen könnte. Ich mag London sehr, aber eben in England und nicht in Irland. Wir haben gestern auch erst mal einen richtigen Großstadtschock gehabt. Nach einem Monat Galway fühlte sich Dublin unfassbar riesig an und hat mich ehrlich gesagt ein bisschen überfordert. Auch die Atmosphäre hier in Galway ist ganz anders. Die Leute sind alle sehr freundlich und es ist mir schon mehrmals passiert, dass mich auf der Straße Leute angesprochen haben, die sich einfach unterhalten wollten. Am Anfang fand ich das zugegebenermaßen etwas befremdlich, aber man merkt schnell, dass das einfach die westirische Mentalität ist. Hier in Galway sind auch so gut wie alle Schilder und Anzeigen zweisprachig – Englisch und Gälisch. In Dublin war das gar nicht der Fall. Der Grund dafür ist sicher, dass Dublin, seit England unter Henry II im 12. Jahrhundert einen Teil Irlands eingenommen hatte, immer der Ort in Irland war, wo die meisten Anglo-Iren gelebt haben und gerade im 15. Jahrhundert wollten die Engländer dort eine Art Miniaturausgabe Englands aufbauen, was sie meiner Meinung nach ganz gut hinbekommen haben. Das zog sich dann ja auch noch über die nächsten Jahrhunderte hin, sodass es kein Wunder ist, dass man in Dublin so viele englische Einflüsse erkennen kann. (Man sieht, meine British History-Vorlesung, die meine Lieblingsvorlesung ist, trägt Früchte.
). Ich will euch aber nicht weiter langweilen, deshalb weiter im Text. Nach unserem Besuch bei dem Book of Kells wollten wir zur Grafton Street laufen. Auf dem Weg sind wir an der National Library of Ireland vorbei gekommen, wo noch bis März eine William Butler Yeats-Ausstellung stattfindet. Ich wollte mir das gern ansehen, aber merkwürdigerweise hat die Bibliothek um 12.45 Uhr dicht gemacht, sodass daraus leider nichts wurde. Vielleicht kann ich ja einen Abstecher dorthin machen, wenn Kerstin in zwei Wochen hier ist. Immerhin haben wir durch den Besuch dieser Bibliothek die wahrscheinlich bequemste Toilette Irlands entdeckt – inklusive Sessel und Couch!! Kein Witz!!! Naja, nachdem aus der Ausstellung nichts wurde, sind wir auf die Grafton Street gegangen und haben ein bisschen (viel) geshoppt. Das ist ehrlich gesagt auch eines der wenigen Dinge, die man in Dublin tun kann. In Dublin gibt es nicht, wie in anderen Städten, ein oder zwei Straßen, in denen man einkaufen kann – Dublin BESTEHT aus Einkaufsstraßen und -zentren!! Wir waren aber natürlich nicht NUR einkaufen, sondern haben uns auch noch ein bisschen die Stadt angeschaut, sind durch das Temple Bar Viertel und über einen Markt geschlendert, bevor wir um acht wieder in den Bus nach Galway gestiegen sind. Dublin hat mir zwar ganz gut gefallen, aber ich muss trotzdem sagen, dass ich heilfroh bin, in Galway gelandet zu sein. Hier gefällt es mir einfach viiiiiel besser!!
Was ich auch noch erwähnen wollte: seit ca. zwei Wochen ist es hier in Galway trocken und die meisten Tage haben wir strahlend blauen Himmel. Gestern hat es zugegebenermaßen geregnet, aber wir waren ja nicht da und hatten in Dublin Sonnenschein, und heute war auch hier das Wetter wieder schön. Soviel zum Thema irisches Wetter!!! Heute habe ich mich hauptsächlich um Unikram gekümmert – viel gelesen und meine Mitschriften in eine lesbare Form gebracht. Heute Abend kamen Catherine und Sarah (zwei Mädels aus Tennessee, die Laura bei ihrer immigration kennen gelernt hat) zum essen und wir hatten ein wahnsinnig leckeres Hühnchen-Curry und Salat. Der Abend war total schön und wir haben vor, jetzt jeden Sonntag zusammen zu essen.
So, das ist wahrscheinlich der längste Beitrag, den ich je geschrieben habe und je schreiben werde. Bisher sind es fast 2000 Wörter, genauso viel, wie ich für mein History Mid-term Essay schreiben muss. Ich wünschte, das ginge mir auch so leicht von der Hand.
Ich gehe jetzt noch ein bisschen lesen und dann schlafen. Melde mich bald wieder!!
Bis dann!!
(Ach ja, scheinbar lädt die Seite nicht richtig und ich nehme an, dass es an den Fotos liegt. Werde deshalb ein Fotoalbum anlegen statt die Bilder hier hochzuladen. Hoffe, es geht dann schneller…)
Heute haben wir eine Tour durch den Burren und zu den Cliffs of Moher gemacht. Der Burren ist eine einzigartige Kalksteinlandschaft, die über 70% der in Irland einheimischen Pflanzen beherbergt und sich über 320 km² erstreckt. Ein Teil des Burren liegt noch im County Galway, der Großteil jedoch im County Clare, das sich direkt südlich an Galway anschließt. Dort befinden sich auch die Cliffs of Moher, die mit ihren 8km Länge und 214m Höhe zu den größten der irischen Steilküsten gehören – und sicherlich auch zu den spektakulärsten. Weitere Tourhighlights waren das Dunguaire Castle in Kinvara, der Poulnabrone Dolmen (ein 5800 Jahre alter und noch vollständig erhaltener Dolmen, der sich mitten im Burren befindet) und der Ballyalban Earthen Fairy Ring Fort (ein prähistorischer Steinkreis, der eigentlich relativ unspektakulär wirkt, ABER in dem in Wahrheit Feen und Leprechauns wohnen, die man nicht verärgern darf. Sonst gibt es nämlich Ärger. Und das ist wahr!!!
).
Für das schlechte Wetter von der Connemara-Tour letzte Woche wurden wir mehr als entschädigt – laut dem einen Ranger an den Klippen war heute der schönste und klarste Tag des ganzen Jahres!!!
Das klang jetzt leider alles etwas nach Reiseführer, aber ich bin in sowas nicht gut, deshalb lasse ich jetzt einfach mal ein paar (zugegebenermaßen wenige) Bilder für sich sprechen…

Dungaire Castle in Kinvara

Mit Anne, Amanda, Laura und Esther vor dem Dunguaire Castle

Galway Bay

Im Burren…

Erster Blick auf die Cliffs of Moher

Vor den Klippen…

Noch mehr Klippen

Poulnabrone Dolmen

Ballyalban Fairy Fort (Kleine Erklärung: Dieses etwas hügelige bei den Bäumen ist der Steinkreis und in dem Gebüsch in der Mitte wohnen die Feen. Das darf man auch nicht anfassen, sonst Stress… Und da unser Busfahrer Eamonn zugegeben hat: „I’m a believer!“, haben wir das mit dem Anfassen dann auch lieber gelassen, sonst wäre der Arme wahrscheinlich tausend Tode gestorben.)
Die Iren lieben es, Schlange zu stehen. Warum, das weiß so genau keiner, aber ich vermute mal, dass sie es irgendwie gesellig finden. Das ist auch der Grund, weshalb die Anmeldung zu Seminaren hier nicht, wie in wahrscheinlich jedem anderen Land, online oder im Sekretariat erfolgt. Nein, hier muss man sich in eine Schlange stellen, um dann um neun Uhr in einen Raum gelassen zu werden, in dem man sich dann mit den anderen um einen der zwei bis drei für Visiting Students zugelassenen Plätze pro Seminar zu kloppen. Die Schlange ist aber nicht etwa in einem Gang oder so, sondern draußen. Weil jeder in sein Seminar will (und z.B. für die, die zu Hause Linguistik studieren war es wichtig, in eines der zwei verfügbaren Linguistik-Seminare zu kommen), muss man eben auch schon vor neun da sein – die ersten Standen gestern um vier Uhr morgens auf der Matte!! Wir sind so um 10 vor sieben eingetrudelt und ich war die Nummer 100 in der Reihe!!! Und weil man keine zwei Stunden auf der Stelle stehen möchte, setzt man sich dann irgendwann hin – auf den kalten Steinfußboden. Da ich ja manchmal so einigermaßen ausgefuchst bin, habe ich mich warm eingepackt, hatte eine dicke Strumpfhose unter der Jeans und warme Socken. Das war besonders angenehm, als es dann mittags über 20°C warm wurde…. Naja, jedenfalls hat sich um acht Uhr morgens dann jemand erbarmt und Nummern ausgeteilt, sodass wir dann bis neun Uhr einen Kaffee trinken gehen konnten. Wohltat!!!
Nun ja, da ich keine Lust hatte, mich um vier Uhr in die Schlange zu stellen, hab ich das Seminar, das ich wollte (Post War British Fiction) nicht bekommen. Dafür bin ich jetzt in „Contemporary Irish Writing“ – wie sich nachher rausstellte mit Ausrichtung auf Drama, was ja eigentlich nicht so meine Tasse Tee ist. Aber es klingt wirklich interessant und nächste Woche gehen wir gleich ins Theater, in „The Cripple of Inishmaan“.
Gestern Abend war also der International Students Society Pub Crawl. Wir haben und um halb acht am Spanish Arch getroffen, wurden da in ca. 10 Gruppen mit jeweils 20 Leuten eingeteilt und sind dann von Pub zu Pub gezogen – und in jedem Pub mind. ein Drink. War zwar wirklich ein netter und lustiger Abend, aber mein Körper ist so viel Alkohol nicht gewohnt (und ich habe auch nicht vor, das zu ändern) und entsprechend fühl ich mich heute. Hinzu kommt, dass ich von dem Warten in der Kälte gestern Morgen eine leichte Erkältung bekommen habe. Also, heute ist nicht so der tolle Tag. Aber das beruhigende ist, dass es allen andern auch so geht, sodass wir gemeinsam leiden können.
Naja, morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und am Samstag machen wir die Cliffs of Moher und Burren Tour. Da freu ich mich sehr drauf, denn vom Burren hab ich ja so viel noch nicht gesehen…
Also bis bald.
Liebe Grüße!!
Jetzt bin ich schon seit fast zwei Wochen hier und einerseits fühlt es sich an, als sei es gestern gewesen, dass ich mit meinem viel zu großen Koffer in die Nummer 18 Dunaras Village eingezogen bin. Auf der anderen Seite kommt es mir aber vor wie eine Ewigkeit – ich hab in den letzten zwei Wochen schon so viel erlebt, so viele nette Menschen aus so vielen Ländern getroffen, so viel gelernt…
Aber von vorn: Am Mittwoch Abend war die International Students Society Welcome Party in einem Pub namens The Skeff auf dem Eyre Square. Es war richtig viel los und der Abend war alles in allem richtig schön. Da die Pubs hier unter der Woche sehr früh zumachen, wollten wir eigentlich noch in einen Club, für den wir Freikarten hatten, aber als wir dann dort ankamen war es schon so voll, dass wir nicht mehr rein gelassen wurden. Also sind wir eine Weile durch die Shop Street flaniert – und das ist selbst am Mittwochabend ein Erlebnis. Überall stehen Buskers und spielen irische Musik, die Leute tanzen auf der Straße und die Stimmung ist einfach der Wahnsinn – und das unter der Woche! Ihr könnt euch also vorstellen, wie es hier am Wochenende zugeht!! ![]()
Irgendwann haben wir dann entschieden, dass wir uns auf den Heimweg machen sollten, denn am Donnerstag war ja Uni – und für mich fing die schon um 11 Uhr an! Weil wir zu faul zum laufen waren, hab ich mir mit Amanda und Laura ein Taxi zurück ins Dunaras Village geleistet und der Taxifahrer hat uns nun endlich aufgeklärt, wie man das gälische Wort für Galway („Gaillimh“) ausspricht, und zwar „Gallie“ (also wir Gallien, nur ohne n). Wir haben uns dann noch eine Weile festgequatscht, sodass es wirklich eine Wahnsinnsüberwindung war, am Donnerstag rechtzeitig aufzustehen – aber ich habe es geschafft. ![]()
Hatte zum Glück auch nur zwei Vorlesungen, weil die Seminare hier erst nächste Woche anfangen und konnte dann schon um ein Uhr wieder nach Hause gehen, nachdem ich für ein Vermögen Bücher und Büromaterial eingekauft hatte. Mittags hab ich dann die kompletten Vorlesungen der Woche nachgearbeitet, Texte gelesen, Mitschriften ins Reine geschrieben und solche Sachen. Nichts spannenedes… Am Abend haben wir dann einen Fernsehabend gemacht, denn Donnerstag ist hier Grey’s Anatomy-Tag.
Wir kannten die Folge dann allerdings schon…
Freitag hatte ich um zehn Uhr Uni und dann zwei Stunden frei, in denen ich mit Amanda und Esther im Penneys Bad Taste Outfits für unsere Girls Night am Samstag einkaufen war. Anschließend sind wir noch einen Kaffee trinken gegangen und dann hätte ich eigentlich noch eine Vorlesung gehabt, allerdings hat es anscheinend in dem Hörsaal gebrannt, sodass wir früher gehen durften. Freitagabend haben wir dann entschlossen, unserem Portemonnaie zuliebe mal zu Hause zu bleiben und Laura und ich haben dann mit unserem kompletten Bettzeug auf der Couch gelegen und alte Dawson’s Creek-Folgen angeschaut. War auch mal sehr erholsam…
Samstag war dann ein wirklich langer Tag. Wir hatten uns entschlossen, eine Connemara-Rundtour mitzumachen und Franzi konnte in ihrem Wohnheim reduzierte Tickets für nur 10 Euro besorgen (normalerweise ist der Studententarif 20 Euro!). Wir sollten uns dazu um 9 Uhr im Corrib Village treffen. Als wir jedoch hier losgehen wollten, hat Laura ihr Portemonnaie mit wirklich ALLEM drin nicht finden können. Wir haben also das ganze Apartment durchgesucht, aber nichts. Inzwischen war auch Amanda da und hat suchen geholfen, aber das Portemonnaie war wie vom Erdboden verschluckt. Laura hat sich also entschieden zu Hause zu bleiben und zu suchen und ich habe ihr angeboten, bei ihr zu bleiben, aber sie meinte ich solle auf jeden Fall gehen, sodass Amanda und ich dann mit leicht schlechtem Gewissen Richtung Corrib Village losmarschiert sind. Wir kamen natürlich auch erst mal 10 Minuten zu spät, aber zum Glück war der Busfahrer ein echter Ire, sodass der Bus letztendlich 20 Minuten Verspätung hatte. ![]()
Kurz nachdem der Bus Galway verlassen hatte, hab ich einen Anruf von Laura gekriegt – sie hatte ihr Portemonnaie gefunden --- und zwar im Mülleimer!!! Es ist mir bis jetzt ein Rätsel, wie es dort hingekommen ist. Also wirklich, die Amerikaner… ![]()
Wir waren dann also den ganzen Tag unterwegs und es hat pausenlos geregnet. Aber als echter Ire weiß man: „It never rains in Ireland, it only drizzles.“ Und das ist tatsächlich so. Hier schüttet es so gut wie nie – stattdessen gibt es eine Art nassen Nebel, den man zwar nicht unbedingt merkt, der einen aber innerhalb weniger Minuten von oben bis unten einnässt. Das war dann etwas schade, weil man manchmal überhaupt keinen klaren Blick auf die Landschaft hatte, aber ich hatte das ganze ja zum Glück im Juli schon bei schönem Wetter gesehen und außerdem hatte es tatsächlich was. Durch das schlechte Wetter hatte die Landschaft einen sehr mystischen Charme und des Öfteren kam man sich vor wie in einem „Herr der Ringe“- Film. Connemara ist eine wunderschöne Gegend und manchmal fühlt man sich einfach nur überwältigt – zum Beispiel wenn man auf den Killary Fjord blickt und es scheint, als könnte man bis zum Ende der Welt gucken. Auch die Kylemore Abbey ist auf jeden Fall einen Besuch wert (in meinem Fall jetzt schon zwei Besuche)- am besten im Frühjahr, wenn die Rhododendren blühen, denn davon gibt es dort unzählige. Weitere Highlights waren der Bergsee Lough Nafooey, die Ross Errily Friary (die Überreste einer Abtei, die an dieser Stelle schon seit dem 12. Jahrhundert steht) und das kleine Städtchen Cong (auch wenn wir dort ehrlich gesagt den Sehenswürdigkeiten einen Kaffee vorgezogen haben). Alles in allem war es trotz Regen ein wirklich gelungener Ausflug und wir hatten jede Menge Spaß. Als wir gegen halb sieben am Eyre Square abgeladen wurden, waren wir allerdings hundemüde und waren alle relativ lustlos was unsere Bad Taste Girls Night am Abend betraf – aber Laura zuliebe haben wir dann entschieden, die Sache trotzdem durchzuziehen – zum Glück! Denn wir hatten so einen Spaß an dem Abend, sahen alle so richtig bescheuert aus und haben bis in die Nacht hinein gefeiert. Entsprechend verlief auch der gestrige Tag: wir haben fast bis zum Mittag geschlafen, dann den Tag über gelesen, fern gesehen und den ganzen Iren, die hier gestern angereist sind beim Einzug zugesehen. ![]()
Abends kam Amanda rüber und wir haben ein bisschen geschwätzt und ich bin dann auch relativ früh ins Bett gegangen. Heute steht Wäsche machen, einkaufen und Uni auf dem Programm – für heute Abend gibt es noch keine konkreten Pläne, aber ich würde mir gern „The Boy in the Striped Pyjamas“ im Kino ansehen und vielleicht find ich ja jemanden der mitkommt. In den nächsten Tagen steht auch einiges an – Mittwoch ist Seminar Course Registration und die basiert auf dem „first come –first served“-Prinzip. Das heißt wahnsinnig früh aufstehen und in die Schlange stellen, da wir alle unbedingt in bestimmte Seminare wollen (bei mir ist es „Post War British Fiction“). Die Nacht wird also gegen fünf Uhr morgens vorbei sein – irgendwie krank… ![]()
Mittwochabend findet zu allem Überfluss dann auch noch der ISS Pub Crawl statt, eine vom International Student Comitee organisierte Pub-Tour.
So, jetzt muss ich aber wirklich mal einkaufen gehen und dann waschen, damit die Wäsche fertig ist, bis ich zur Uni muss. Wenn ich Zeit hab stell ich später auch noch ein paar Bilder hoch.
Bis dann
Nachdem ich jetzt schon mehrfach wegen Vernachlässigung meines „Blogs“ (ich finde das Wort ja sehr bescheuert, irgendwie!) gerügt wurde, melde ich mich jetzt auch mal wieder.
Die letzten Tage waren sehr ereignisreich – die Uni hat angefangen! Am Sonntag waren alle hier so erledigt von der letzten Woche, dass jeder den ich kenne einen ruhigen Tag gemacht hat. Also lesen, fernsehen, schlafen… Tat auch wirklich gut nach dem Stress der letzten Woche! So konnten wir dann auch ausgeruht in den Montag starten. Am Montag war für uns visiting students Registration Day, heißt: zwei Stunden in einer Schlange stehen, um am Ende einfach einen Zettel ausgehändigt zu bekommen, mit dem man seine student ID card abholen kann – WOW! Im Anschluss daran mussten noch lauter langweilige Organisations-Sachen erledigt werden: Bankkonto eröffnen, Busfahrkarte kaufen, Papiere abholen und so weiter und so fort. Abends waren wir dann mit ein paar Leuten im Kino, in dem Film „The Duchess“ mit Keira Knightley – und ich weiß bis jetzt noch nicht, was ich von dem Film halten soll. War im Anschluss an den Film erstmal etwas geladen… ![]()
Gestern war dann der erste richtige Unitag. Ich hatte drei Vorlesungen, aber da die Vorlesungen hier auf zwei Tage verteilt sind, waren es alles in allem nur drei Stunden. Zuerst hatte ich „Studies in Renaissance Literature“, danach „British History 1450-1603“ und als letztes „Literature and Culture: Romanticism“. Die Vorlesungen waren wirklich allesamt sehr interessant und die Dozenten scheinen, anders als so mancher deutscher Dozent, wirklich Spaß an ihrem Job zu haben. Außerdem scheint hier, gemäß der irischen Mentalität, alles recht locker zu sein. In einer 45-Minuten-Vorlesung machen die in der Mitte eine Pause, damit sich die armen Studenten nicht überanstrengen!! Trotzdem wird es sicher ziemlich viel Arbeit sein, in allen Kursen am Ball zu bleiben – das Lesepensum (und damit auch die Menge an Geld, die man für Bücher ausgibt) ist wesentlich höher als in Deutschland. In manchen Vorlesungen wird pro Woche ein Buch behandelt!! Noch dazu gibt es in den meisten Kursen einen Reader oder ein bestimmtes Buch, aus dem gelehrt wird und das man sich auch noch zulegen muss. Diese Bücher sind dann nochmal eine Ecke teurer… Überhaupt habe ich das Gefühl, dass in diesem Land außer Benzin (und das brauch ich nicht) alles teurer ist als in Deutschland. Mir kommt es vor, als riesele mir das Geld durch die Hände und ich werde in den nächsten Monaten wirklich genau schauen müssen, für was ich Geld ausgebe, denn ich will ja wenn möglich auch noch etwas durch Irland gondeln. Naja, weiter im Text…. Gestern Abend war ich mit Laura, Amanda, Alice und einer Freundin von Alice in einem richtig urigen irischen Pub namens „The Crane Bar“. Dort gibt es jeden Abend irische Live-Musik und alles ist wirklich genau so, wie man sich ein Irish Pub vorstellt. Heute hatte ich dann nur eine Vorlesung: „Specialist Studies: The Nineteenth Century“ und es war SO cool! Ich glaube, diese Vorlesung wird auf jeden Fall meine Lieblingsvorlesung. Die Dozentin, Dr. O’Cinneide (hatte sie auch gestern schon in Romanticism) ist total gut und gestaltet ihre Vorlesungen wahnsinnig interessant. Die Vorlesung ist allerdings, wie alle anderen auch, in zwei geteilt und freitags haben wir eine andere Dozentin, die sich hauptsächlich auf amerikanische Literatur spezialisiert hat, während es in der Mittwochsvorlesung um englische Literatur aus der viktorianischen Zeit geht. Aber gut, das interessiert wahrscheinlich niemanden so wirklich… ![]()
Nach der Vorlesung wollte ich eigentlich im Uni-Bookshop die Bücher einkaufen, die ich für meine Vorlesungen brauche, hatte allerdings vergessen, dass ich gestern bevor ich ins Pub bin sicherheitshalber den Großteil meines Bargelds und die Kreditkarte aus dem Portemonnaie getan habe und es heute Morgen nicht wieder zurück getan hatte. Also konnte ich nur ein Buch für 19th Century Literature kaufen – „North and South“ von Elizabeth Gaskell – und hab dann auch gleich angefangen zu lesen.
Heute Abend ist die International Students Society Welcome Party, das wird sicher cool.
Ich berichte dann… ![]()
Beir bua agus beannacht.
Slán go fóill!!
edit: Claudi wollte gern wissen was „good craic“ bedeutet, also hier die Auflösung. „Craic“ (sprich: cräck) ist ein gälisches Wort, das einfach „Spaß“ oder „eine gute Zeit“ bedeutet. Im Gegensatz zu den meisten irischen Wörtern wird dieses Wort hier auch sehr häufig benutzt. Anstatt „It’s fun“ oder „I‘m having a good time“ sagen die Iren einfach „Good craic!“. Wenn man wissen will, ob irgendwo was los ist bzw. ob im Umkreis eine Party o.ä. stattfindet, oder wenn man einfach sein Gegenüber fragen will, ob er/sie Spaß hatte, fragt man „Any craic?“. „Craic“ wird wirklich sehr häufig gesagt und ich habe es noch an meinem ersten Tag gelernt…


